Kolumne über Theatersport Improphil

improphilVerbotene Machenschaften im Vatikan und «Clean Dancing» Theatersport hat sich mittlerweile zum nicht mehr wirklich geheimen Tipp gemausert; bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung war das Casineum Luzern zum Bersten voll.Moderator und Schiedsrichter Christian Sauter, passend im schwarzweissen T-Shirt und mit Trillerpfeife, brauchte dann auch nicht lange, um den Saal in Stimmung zu bringen. Er erklärte noch kurz Sinn und Zweck der bereitliegenden Rosen und nassen Schwämme sowie das System der Benotung, dann ging’s los: Improphil aus Luzern (Randulf Lindt, Reto Bernhard) gegen Theatersport Berlin (Beate Fischer, Marin Cactas). Zum Aufwärmen, und noch ohne Wertungs-Punkte, wurde eine gemeinsame Szene gespielt: Als Austragungsort hatte das Publikum den Vatikan gewählt, die Spiel-Form erlaubte einen Personen- und Handlungswechsel beinahe im Sekundentakt, das Stück endete mit einer Geburt, was der Schiedsrichter mit einer gelben Karte bestrafte; Geburten auf der Bühne seien verboten im Theatersport! Dann begann der eigentliche Wettkampf; Barocke Szenen in Gedichtform gegen römische Wagenrennen, ein gemeinsames Märchen mit dem Titel «Die schöne Beist» mit strapazierenden Doppelrollen und Teufelseinsätzen, eine Bananengeschichte in Schillerscher Art gegen eine ziemlich frei adaptierte Balkonszene von Shakespeare, die Teams kämpften, übertrumpften sich gegenseitig und brachten den Saal zum kochen. Rosen flogen zu Hauf auf die Bühne, nasse Schwämme bekam nur Moderator Sauter für gelbe und rote Karten, welche er ab und zu verteilte. Ob improvisierte Lieder über Kühe oder Ehegefängnisse, begleitet vom ebenfalls improvisierenden Jimmy Muff am Flügel, Dialekt-Jonglagen oder Wort-an-Wort Spiele, die vier auf der Bühne erstaunten und begeisterten immer wieder mit ihrer unglaublichen Verwandlungsfähigkeit. Sie spielten gegen und miteinander, wobei vor allem beim Miteinander klar wurde, wie flexibel sie sein müssen. Geschichten, Personen und Schauplätze wechseln in rasendem Tempo, man lässt sich gegenseitig sitzen, redet sich drein, biegt die Geschichte immer wieder neu, niemand kann sich auf irgendetwas verlassen und muss permanent offen, flexibel und aufmerksam bleiben. Und so ging‘s vom Postboten über den Pfarrer bis zum Eierkuchen, da wurde «clean dancing» betrieben weil der Schiedsrichter das «dirty dancing» nicht zuliess, mit Dialekten jongliert und Puppenspiele simuliert, ein wahres Feuerwerk an Improvisation, Ideenreichtum und Spielfreude. Wer übrigens gedacht hatte, Improphil hätte in Sachen Punkte auf den Heimvorteil setzen können, hatte sich getäuscht: es wurde fair bewertet, oft ziemlcih einstimmig, der Abend endete in einem absolut gerechtfertigten 10:10 Unentschieden. Ein hochzufriedenes, angeregt diskutierendes Publikum verliess 2 Stunden später das Casineum und es werden sicher viele wieder mit dabei sein wenn’s wieder heisst: 5,4,3,2,1 und los!

Text und Bild: Gabriela Bucher – Liechti und Theatersport Improphil
www.improphil.ch

www.innerschweizonline.ch

onlinedienstleistungen und mediaservice www.leonardwuest.ch

www.irenehubschmid.ch

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