Geschichten die das Leben schrieb: «S’Zimmis» und die Operette – eine Familienangelegenheit (oder Zimmermanns und die Operette)

Stadttheatersaal Sursee

Stadttheatersaal Sursee

Wer sich im Programmheft der Operette Sursee etwas nach hinten wagt, trifft nach den Solisten, den «weiteren Rollen» und dem Chor – alle mit Fotos – auf die Seite des Orchesters, ohne Fotos. Das Orchester bleibt auch hier, wie im Orchestergraben, unsichtbar. Wer diese Seite genau liest, dem fällt auf, dass drei Mal der Name Zimmermann vorkommt.

Das ist kein Zufall, das ist eine Familie; «s’Zimmis» wie sie im Freundeskreis genannt werden. Vater Urs und Sohn Rafael am Schlagwerk, Tochter Romana an der Klarinette und, Mutter Annetta an der Theaterkasse. Eine Familie im Dienst der Operette, dies seit Jahrzehnten. Urs, ursprünglich Posaunist in der Stadtmusik Sursee und im Orchesterverein Sursee, wurde 1986 vom damaligen Schlagzeuger Walter Stöckli angefragt, ob er nicht in der Operette mitspielen möchte. So sei er «im Graben gelandet», nicht als Posaunist sondern eben am Schlagzeug. Er sei zwar Autodidakt, habe aber bereits mit 4 Jahren «trümmelet» und sein langjähriges Posaunenspiel sei ihm sehr entgegengekommen. Seine offizielle Karriere im Stadttheater Sursee startete 1987, seither hat er keine Saison ausgelassen und absolvierte kürzlich seine 500. Aufführung. Er ist mit Leib und Seele dabei und übt seinen Part jeweils Wochen vor den ersten gemeinsamen Proben. Dies einerseits um dem mittlerweile sehr hohen, professionellen Niveau des Orchesters gerecht zu werden – er und seine Kinder sind praktisch die einzig verbleibenden Nicht-Berufsmusiker – andererseits weil er als Schlagzeuger eine wichtige Rolle spiele, welche wohl den wenigsten im Saal bewusst ist. Er nimmt die von der Dirigentin oder dem Dirigenten vorgegebenen Tempi auf und fungiert sozusagen als Motor fürs ganze Orchester.

Nachwuchs aus den eigenen Reihen

Die beiden Kinder nähmen das Ganze etwas lockerer, meint Urs. Vor dem Eintritt ins Orchester, Romana als Klarinettistin 1992, Rafael als alternierender Mann am Schlagwerk 1997, haben sie bereits mit Programm verkaufen und Platz anweisen Theaterluft geschnuppert. Mutter Annetta hätte gerne im Chor mitgesungen, aber ihr Beruf erlaubte es nicht. Als sie 1998 angefragt wurde, ob sie nicht alternierend die Theaterkasse übernehmen möchte, sie hätte ja jetzt die ganze Familie «dort vorne», hat sie zugesagt. So kommt es, dass in jeder Aufführung jemand aus der Familie Zimmermann mit dabei ist. Das sei praktisch, meint Urs, so könne er sich z.B. mit seinem Sohn abtauschen, wenn ihm mal was dazwischen komme. Manchmal sei’s auch etwas mühsam, meint seine Frau Annetta, während den drei Monaten der Operette sei oft von nichts anderem mehr die Rede, wenn sie mal gemeinsam am Tisch sässen und unzählige Zitate und Melodien aus den jeweiligen Stücken schwirrten hin und her zwischen ihnen. Aber verständlich sei’s ja auch, meinen beide, denn sie sind trotz der vielen Jahre immer noch mit sehr viel Herzblut dabei.

 

Die Kesselpauken gehen vor

Urs ist für sein Instrumentarium selber zuständig, schaut, wie er dieses im engen Orchestergraben platzieren kann und entscheidet, was er allenfalls weglassen muss, weil er nur zwei Hände und zwei Füsse hat und den oft für 2-3 Schlagzeuger vorgesehenen Part alleine spielen muss. Zudem organisiert und transportiert er alles selber, darum kauft er sein Auto seit jeher nur nach einem Kriterium: Die Kesselpauken müssen problemlos im Kofferraum verstaubar sein. Sollten Sie also Urs irgendwann mal mit einem kleinen, schnittigen Wagen antreffen, dann ist der letzte Operetten-Vorhang für ihn gefallen!

Die Rezension über die aktuelle Produktion „Maske in Blau“:

innerschweizonline.ch/wordpress/stadttheater-sursee-maske-in-blau-operetten-revue-von-fred-raymond-besucht-von-leonard-wuest/

Veröffentlicht auf: innerschweizonline.ch

http://www.bochumer-zeitung.net/ und

http://www.leonardwuest.en-a.ch/

 

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