Luzerner Theater: Uraufführung des Theaterprojektes „Briefe“ von Ivna Žic, veröffentlicht auf www.innerschweizonline.ch und www.bochumer-zeitung.net

Uraufführung des Theaterprojektes „Briefe“ von Ivna Žic

Die Regisseurin und Hausautorin des Luzerner Theaters, Ivna Žic, nahm als Grundlage ihres Theaterprojekts «Briefe» recherchiertes Material, von dem ausgehend sie gemeinsam mit Ensemblemitgliedern ein Stück über nicht abgeschickte, also somit ungeschriebene Briefe entwickelte. Das Stück feierte letzten Freitag Première im UG des Luzernern Theaters.

Eine faszinierende Idee, nicht gesendete Briefe in ein Theaterstück einzubringen. Aber wie spricht man Briefe, und wie inszeniert man sowas? Die Antwort darauf gibt es bis Ende März um UG, der zweiten Spielstätte des Luzerner Theaters im Keller des Stadthauses.Der lange Raum wird unterteilt mit grossen, grauen Dreiecken aus schallisolierendem Schaumstoff. Dadurch wird die Tiefe akzentuiert, zusätzlich vermittelt das Ganze ein Gefühl von Intimität und Aufgehobensein. Die Brieftexte kommen teils über kleine, in die Wände eingelassene Kästchen, teils aus schwarzen Kugellautsprechern, welche über den Raum verteilt von der Decke hängen oder sie werden von den vier Schauspielern vorgetragen. Eine monotone Combox-Stimme kündigt sie jeweils an:“Sie haben einen neuen Brief erhalten.“ Durch unterschiedliche Interpretationen kann derselbe Brief ganz unterschiedliche Aussagen enthalten; mal ist er nüchterne Erklärung, mal wütende Abrechnung. Neben Liebesbriefen, die den Hauptanteil ausmachen, gibt’s Abschieds-, Abrechnungs- und Anklagebriefe. Mal steht der Empfänger fasziniert im Raum, mal durchpflügt er ihn rastlos, mal wird der Text einzeln vorgetragen, mal verweben sich die Sätze, werden wiederholt.

Die Briefe treffen auf Telefonanrufe, auf atemlose sms in ihrer abgekürzten Sprachlosigkeit. Sie werden nummeriert, archiviert, in Kategorien unterteilt, teilweise auch analysiert, emotionslos. Manche Texte, oder deren Interpretation, lösen Heiterkeit aus, andere wirken beklemmend. Da ist Leidenschaft, Hass, Wut, aber nichts geht über die isolierten Wände hinaus. Das erinnert daran, dass diese Briefe nie abgeschickt worden sind. Diese Tatsache geht etwas vergessen ob der starken Leistung der der vier Schauspieler. Juliane Lang überzeugt als puppenhaftes Mädchen, wütende Mutter, verlassene Geliebte, Wiebke Kayser als leidenschaftslose, im wahrsten Sinne des Wortes verstaubte Jungfer, Hajo Tuschy grossartig als gewissenhafter Archivar, gefangen in seinen Zahlen und Kategorien oder als verschlagener und gleichzeitig überforderter Empfänger einer Nachricht und Jörg Dathe wie ein grauer, altertümlicher Vogel auf Beutesuche, wenn er stelzend, nachdenklich, ängstlich oder neugierig den Raum durchquert.

Ein spannender Abend mit viel Emotionen und Einblicken in die Tiefen der menschlichen Seele.

Text: Gabriela Bucher

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Fotos: Luzerner Theater, Ingo Höhn

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