Luzerner Theater: Première der Tanzproduktion «Moving Metaphors» veröffentlicht auf der www.innerschweizonline.ch und der www.bochumer-zeitung.net

Moving Metaphors HeaderBewegende Tanzperformance

«Moving Metaphors» heisst die neue Produktion des Luzerner Tanzensembles, welche am letzten Freitag Premiere feierte. Gezeigt wird «If walls could talk» des französischen Choreografen Patrick Delcroix, und «Inside» vom jungen niederländischen Choreografen Lukáš Timulak.

Der rote Teppich ist ausgelegt, die Tische im Foyer des Luzerner Theaters mit weissen Tischtüchern belegt, es ist Premiere Abend. Man hat das eine oder andere gelesen über diese neue Produktion, vor allem über das Experiment des hörbar gemachten Herzschlages im Stück von Timulak. Man ist gespannt, was einen erwartet, die Premieren-Spannung eben. In dieser gespannten Erwartung seien auch die Tänzer, erklärte Lucie Machan, Dramaturgin Tanz und Company Managerin in ihrer Einführung. Es brodle hinter den Kulissen, die Tänzer freuten sich darauf, jetzt endlich präsentieren zu können, was sie in monatelanger Probezeit erarbeitet haben.

Der Franzose Patrick Delcroix arbeitet in seinem Stück «If walls could talk» zum ersten Mal mit Kulissen (Bühne und Licht Kees Tjebbes). Auf der Bühne steht ein Tisch, zwei Wände, die eine mit fenstergleichen Quadraten, auf die andere werden je nach Szene verschiedene Lichtmuster projiziert, mal auch die Schatten der Tänzer. Das gibt dem Ganzen eine zusätzliche Dimension, mal poetische, mal beinahe mystisch. Am Tisch ein körperloser Zeitungsleser, allgegenwärtiger und doch unsichtbarer Beobachter im Hintergrund. Das Stück beginnt mit einem Solo, welches übergeht in einen Pas-de-Deux, Traumwelt, Wunsch, Erinnerung? Es wird dem Zuschauer überlassen, sich die Geschichten dazu auszudenken. Das stetige Ineinanderfliessen, Nicht-voneinander-Wegkommen, die Leichtigkeit der Schritte, welche noch gleitender erscheinen auf der glänzenden Kunststofffolie, die unaufgeregten Kostüme in verhaltenen Farben, das alles lässt einen verschmelzen mit den Tänzern, mit den Geschichten über Liebe, Übergriff, Aggression, Eifersucht, all die Dramen der zwischenmenschlichen Beziehungen. Mehrheitlich steht das ganze Ensemble auf der Bühne, es gibt aber einen Protagonisten, mal steht er mitten im Geschehen, mal ausserhalb als Zuschauer. In der Schlussszene dann wieder allein, mit eckig-fahrigen Bewegungen, als müsste er seinen Körper neu erfahren, neu ausprobieren. Einmal mehr überzeugen die Tänzer/-innen mit einer unglaublichen Leichtfüssigkeit, mit Figuren, in welchen kaum auszumachen ist, wo der eine anfängt und die andere aufhört, ihre Körper erscheinen schwerelos. Poetische Szenen wechseln sich ab mit beklemmenden. Bedrohlich jene, wo die Tänzer sich wie eine Horde Ameisen über den am Boden zusammengekrümmten Körper hermachen als wollten sie ihn zerfleischen. Faszinierend bis am Schluss und unglaublich, dass es 45 Minuten gedauert haben soll. Beinahe atemlos wird das begeisterte Publikum in die Pause entlassen.

Auch das Stück von Timulak beginnt mit einem Tänzer allein, im Lichtkegel auf der in Schwarz-Weiss gehaltenen Bühne (Bühnenkonzept Peter Bilak). Nur sein Herzschlag ist zu hören. Eine Tänzerin erscheint, die beiden Herzschläge nähern sich einander an, überschneiden und verweben sich, wie auch die Bewegungen der beiden. Ein Dialog auf zwei Ebenen, der etwas unglaublich Intimes an sich hat, das ins beinahe Bedrohliche kippt, wenn das ganze Ensemble auf der Bühne steht und sich wie unter Donnergrollen im Gleichtakt bewegt. Das Stück hat schnelle Übergänge, musikalisch und dramaturgisch, mal bewegen sich Tänzerinnen wie Marionetten,  mal ein Paar im poetischen Pas-de-Deux. Wenn im letzten Bild Leuchtröhren von der Decke heruntergleiten, werden die Tänzer zu noch verletzlicheren Figuren, beinahe unnatürlich klein. Der Herzschlag, welcher vorübergehend durch Musik ersetzt worden war, setzt wieder ein. Zurück bleibt eine einsame  Figur im Lichtkegel, eine Tänzerin umschwirrt ihn wie eine Motte. Die anfänglichen Bedenken, die Herzschläge könnten irritierend wirken, zerschlagen sich sehr schnell, viel mehr haben sie etwas unglaublich Faszinierendes in ihrer Unmittelbarkeit.

Fotodiashow von: http://www.ida.zenna.de/index.php

http://fotogalerien.wordpress.com/2014/03/15/fotodiashow-luzerner-theater-tanzmoving-metaphors-15-3-2014/

Das Premierenpublikum war begeistert, das Experiment ist aufgegangen, die Tänzer können sich freuen auf die kommenden Vorstellungen. Eine weitere Perle in der Schatztruhe des Luzerner Ensembles.

Weitere Informationen über das Luzerner Theater: www.luzernertheater.ch

Homepages der anderen Kolumnisten der www.innerschweizonline.ch und der www.bochumer-zeitung.net

www.leonardwuest.ch  www.irenehubschmid.ch   Paul Ott:www.literatur.li

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