Lucerne Festival an Ostern 2014: Chorkonzert 2, Cappella Andrea Barca | Balthasar-Neumann-Chor | András Schiff | Solisten, veröffentlicht auf www.innerschweizonline.ch und www.bochumer-zeitung.net

Balthasar Neumann Chor

Balthasar Neumann Chor

Von Herzen zu Herzen

Beethovens Missa Solemnis – die festliche Messe – ist, wie Beethoven selber sagte, sein grösstes Werk. Sie wurde mit Superlativen überhäuft, als eines der wichtigsten Werke betitelt, als Meilenstein und Heiligtum gepriesen.


Sie ist voller Widersprüche und Brüche und während die Katholiken sie als ketzerisch und zu theatralisch bezeichneten, war sie für die Protestanten zu traditionell und katholisch geprägt. Darum, und auch wegen ihrer Länge, wurde sie in der Kirche nie wirklich heimisch und wird hauptsächlich im Konzertsaal aufgeführt. Sie ist aber auch eines der kompliziertesten und schwierigsten Chor-Werke überhaupt. Beethoven sei nicht sehr rücksichtsvoll umgegangen mit den Sängern, meinte Susanne Stähr in ihrer Einführung ins Konzert letzten Mittwoch.

Sie enthält eine der am schwierigsten zu singenden Passagen der gesamten Chorliteratur: Gleich zu Beginn des Credo schrauben sich die Soprane zum zweigestrichenen »b« empor, einem Ton, der auch für manche Solistin Anstrengung erfordert, der hier jedoch fünf Takte lang gehalten werden muss – zum Fortissimo des stark besetzten Orchesters. Die  Messe galt als beinahe unaufführbar und ist beim Lucernce Festival bis anhin erst zwei Mal gespielt worden, das erste Mal 1943, das zweite und bisher letzte Mal erst 2005 wieder.

Cappella Andrea Barca

Cappella Andrea Barca

Am Mittwoch nun beschenkten die Cappella Andrea Barca und der Balthasar-Neuman Chor unter der Leitung von András Schiff sowie die Solisten Ruth Ziesak, Sopran, Britta Schwarz, Alt, Werner Güra, Tenor und Robert Holl, Bass, das Publikum mit diesem Werk. «Von Herzen – Möge es wieder zu Herzen gehen!», hatte Beethoven über dem ersten Teil der Partitur notiert. Zu Herzen ging das Werk dann auch, mit einem Chor, der einen die extremen technischen Anforderungen nicht spüren liess, einem Orchester, in welchem vor allem die Bläsersektion begeisterte, einem zurückhaltenden, beinahe ehrfurchtsvollen András Schiff am Dirigentenpult und Solisten, welche durchwegs überzeugten in ihrer Ausführung. Zuweilen herrschte eine unglaubliche Symbiose zwischen Chor und Orchester, eine wundervolle Verwebung der beiden Klangwelten. Man spürte das sehnsuchtsvolle Bitten und Beten, das Flehen, mit Bläsern, die mal sanft, mal kraftvoll, pompös, majestätisch, mal friedvoll verhalten, mal mächtig tragend und feierlich daherkamen. Grossartige Chorpassagen folgten wunderschönen Solopartien, wo Holl’s kräftiger, sonorer Bass sich wie ein Fundament unter die ausgewogenen Stimmen der drei anderen Solisten legte. Man wähnte sich ab und an in einer Kathedrale, so dicht, berauschend und majestätisch war der Klang.

 

András Schiff

András Schiff

András Schiff blieb durch das ganze Werk präzise. Nie ausufernd, nie dominant, führte er Chor, Orchester und Solisten durch dieses unglaublich vielschichtige Werk hin zum erst verstörend kriegerischen, dann friedvoll strahlenden Agnus Dei.

Schade nur, dass trotz frühem Ende des Konzertes, oder gerade deswegen, sehr viele Besucher den Saal schon während des ersten Applauses verliessen. An der Qualität der Aufführung kann es nicht gelegen haben, jedoch wirkte sich diese Hektik etwas negativ auf die nachklingende andächtige Stimmung aus.

Fotos: www.lucernefestival.ch

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