Luzerner Theater: Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde, Première, 17. Januar 2015, veröffentlicht auf www.innerschweizonline.ch und www.bochumer-zeitung.net

Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

 
Uraufführung Monologe von Martina Clavadetscher, Verena Rossbacher und Ivna Žic

Produktionsteam

Marc Wortel Inszenierung
Viola Valsesia Bühne
Susanne Ruhstorfer Kostüme
Carolin Losch Dramaturgie

Besetzung

Dagmar Bock, Juliane Lang, Clemens Maria Riegler

 

Die drei Hausautorinnen der vergangenen Spielzeiten, Martina Clavadetscher, Verena Rossbacher und Ivna Žic haben fürs Luzerner Theater zum Doppelwesen Jekyll/Hyde jeweils einen Monolog geschrieben und dabei ganz unterschiedliche Aspekte der Schattenseiten der Seele aufgegriffen. Der niederländische Regisseur Marc Wortel hat die drei Stücke inszeniert.

 

Der Kampfring aus „The making of Frankenstein“, der ersten der drei Produktionen zum Thema Horrorliteratur des Luzernern Theaters, steht auch für „The strange case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ wieder im UG. Die Kämpfe, die dieses Mal ausgetragen werden, sind ganz unterschiedlicher Art. In „Du behorchst mein Herz“ von Ivna Žic geht es um die Sprache, um deren Verlust, deren Gewicht und darum, wie sie einen zum Monster machen kann. Eine Frau (Juliane Lang), gefangen in ihrer Depression windet und wehrt sich gegen die verbalen Aggressionen. Die Reduktion auf die Sprache wird dadurch erreicht, dass der Raum stockdunkel bleibt und der Zuschauer nur drei neonfarbene Münder sieht.

 

In „Milchdieb“ von Martina Clavadetscher geht es um eine junge Mutter und ihre gespaltenen Gefühle zwischen Liebe und Ekel für ihr neugeborenes Baby. Ab und zu ertönt eine Stimme aus einem Lautsprecher, der an eine Wärmelampe erinnert. Die Stimme erklärt den Werdegang einer Raupe zum Schmetterling und die verzweifelte Mutter hält sich daran, als würden die Ausführungen ihre Gefühle rechtfertigen. Dagmar Bock spielt die Zerrissenheit sehr überzeugend, mal mit irrem, kalten Glanz in den Augen, mal verzückt strahlend, irgendwo zwischen Hingabe und totaler Erstarrung. Ein Tabu-Thema, überzeichnet zwar, aber irgendwo klingt etwas an, tief drinnen, Erinnerungen an Überforderungen, über die junge Mütter nicht sprechen sollten.

 

Das dritte Stück „Ich war Diener im Hause Hobbs“ von Verena Rossbach hat durchaus Unterhaltungswert und erinnert an die omnipräsenten Serien im Fernsehen. Es geht um den Aufstieg und Fall eines Unternehmers. Drei Schauspieler nur in Unterwäsche taumeln anfänglich über die Bühne als suchten sie ihre Identität und fänden sie dann in dem bereitliegenden Kleiderhaufen. Während sie sich hastig anziehen, schälen sich die drei Persönlichkeiten heraus: Der erfolgreiche, selbstverliebte, sexgesteuerte Geschäftsmann Hobbs, seine flatterhafte Frau, immer auf der Suche nach mehr, nach dem Verbotenen, nach dem Kick und der Butler Josef, der seine Chance sieht, das Glück und den Erfolg dieser zwei zu zerstören. Das Ganze steigert sich ins unabwendbare Ende, die Gags und überdrehten Figuren bringen aber immer wieder ein komisches Element ein und lassen den Ernst der Lage etwas vergessen. Clemens-Maria Riegler spielt und lebt den leicht deppen Unternehmer in seiner gewohnt intensiven, eindringlichen Art, Dagmar Bock flattert als seine Gattin irgendwie getrieben herum und Juliane Lang gibt einen überzeugenden, hassgetriebenen Butler, anfänglich noch verhalten, vorsichtig, dann immer selbstbewusster und abgründiger.

 

Eine nicht ganz einfache Produktion. Um es mit den Worten von Regisseur Marc Wortel auszudrücken: Wer neugierig darauf ist, die dunklen Räume seines eigenen Geistes zu erforschen, der sollte sich das Stück ansehen!

Kleine Fotodiashow von Ingo Höhn  www.luzernertheater.ch

https://fotogalerien.wordpress.com/2015/01/19/luzerner-theater-strange-cases-of-dr-jekyll-and-mr-hyde-premiere-17-1-2015-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/


Fotos: www.luzernertheater.ch Ingo Höhn

www.innerschweizonline.ch

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Homepages der andern Kolumnisten: www.marvinmueller.ch www.leonardwuest.ch
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